Toilettenhocker

Illustration: Vergleich WC-Hocker/Toilettenhocker mit normalen Toilettengang

Toilettenhocker: Schafft er wirklich Erleichterung?

Nicht jedem fällt der Gang zur Toilette so leicht, wie es sein sollte. Die Zahl der Darmerkrankungen, die unter anderem mit einer erschwerten Stuhlentleerung einhergehen, nimmt seit Jahren unaufhaltsam zu und noch immer wird nur mit Scham und ungern über das Thema gesprochen.

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Dabei gibt es mittlerweile einige Hilfsmittel, die die Entleerung erleichtern und den Toilettengang wieder angenehmer gestalten sollen. Eines davon ist der Toilettenhocker. Durch den Toilettenhocker ändert sich die Sitzhaltung auf der Toilette. Die Position, die Ihre Beine durch den Hocker einnehmen, orientiert sich mehr an der Hockhaltung unserer Vorfahren und soll eine leichtere Entleerung ermöglichen. 

Mit dem Toilettenhocker sitzen Sie nicht, sondern Sie kauern

In der Regel sitzt der Mensch heute aufrecht auf der Toilette. Der Rücken ist weitgehend gerade und die Beine stehen im rechten Winkel auf dem Boden. Haben Sie einen gesunden, aktiven Darm, dürfte Ihnen diese Haltung kaum Schwierigkeiten bereiten. Ganz im Gegenteil, Sie werden Sie wohl sogar als sehr angenehm wahrnehmen. Doch haben Sie oft mit Verstopfung zu kämpfen, leiden Sie unter Hämorriden oder Darmträgheit, ist das meist nicht mehr so. In diesem Fall kann ein Toilettenhocker wahre Wunder bewirken. 

Aber was ist ein Toilettenhocker? Der Begriff Toilettenhocker hört sich spektakulärer an als es ist. Im Grunde handelt es sich um einen kleinen Schemel. Er ist rund 20 cm hoch. Der Schemel wird vor die Toilette gestellt und dient dem Abstellen der Füße. In dem Moment, in dem Sie die Füße auf den Toilettenhocker stellen, ändert sich der Winkel zwischen Rumpf und Oberschenkeln. Er beträgt nicht mehr 90 Grad, sondern nur noch 35 Grad. Neigen Sie den Oberkörper nun noch ein Stück nach vorn, sitzen Sie quasi nicht mehr auf der Toilette, sondern Sie kauern. Was sich im ersten Moment ein wenig ungewöhnlich anhört, wird eigentlich von der Evolution genauso vorgesehen. Bei der heutigen Toilettenhaltung wird der Enddarm stark abgeknickt. Damit ist eine vollständige Darmentleerung nicht mehr so einfach möglich. 

Bei der Hockhaltung entfällt dieses Abknicken des Enddarms. Der Darm kann sich schneller und intensiver entleeren. Doch stimmt das wirklich?

Studien bestätigen schnelleren Stuhlgang

Beim Thema Toilettenhaltung gehen die Meinungen sicherlich auseinander. Grundsätzlich muss vorweggenommen werden: Für die angestrebte Hockhaltung brauchen Sie nicht unbedingt einen medizinischen Toilettenhocker. Im Grunde erreichen Sie den Effekt auch, wenn Sie einen herkömmlichen Holzschemel nutzen. 

In einer Studie wurde untersucht, ob der Toilettenhocker tatsächlich für eine schnellere Darmentleerung sorgt. Dies konnte bestätigt werden. Brauchen die Studienteilnehmer bei herkömmlicher Sitzhaltung immerhin 130 Sekunden im Durchschnitt, waren Sie in der Hockhaltung mit durchschnittlich 50 Sekunden doch deutlich zügiger. In Verbindung mit dieser Hockhaltung ist oftmals auch von der Thinker-Haltung die Rede. Dieser Begriff wurde von Professor Thomas Frieling ins Leben gerufen. Er agiert als Vorstand von Gastro-Liga e.V. und erinnert mit dem Begriff insbesondere an die Rodin Skulptur „Der Denker“. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich durch die Hockhaltung die anatomischen Parameter, die beispielsweise beim Becken zu erkennen sind, positiv auf die Enddarmentleerung auswirken. Hocken Sie wie der Denker von Rodin bei der Darmentleerung, ist der Enddarm in einer geraden Position. Er wird durch keinerlei Muskeln oder Knochen abgedrückt, wodurch er weit offen ist. Das kommt einem leichten und schnellen Stuhlgang zu Gute. 

Übrigens ist diese Position von der Evolution her nicht nur für den Menschen vorgesehen. Katzen und Hunde nehmen sie bis heute ein, wenn sie ihr Geschäft verrichten. Sie hocken sich tief in Bodennähe, sodass die Hinterläufe stark angewinkelt sind. 

Ist der Toilettenhocker wirklich nötig?

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Der Toilettenhocker bringt Sie auf der Toilette in die von der Natur aus vorgesehene, ideale Haltung für die Darmentleerung. Im ersten Moment scheint es damit ratsam zu sein, jede Toilette mit einem Schemel zu versehen. Da aber bekanntlich in der Ruhe die Kraft liegt, müsse Sie hier individuell entscheiden. Was heißt das? Haben Sie keine Probleme beim Stuhlgang, benötigen Sie auch keinen Hocker. Kämpfen Sie aber häufiger mit Verstopfung, kann Ihnen der Hocker Erleichterung verschaffen. Doch der Toilettenhocker hilft nicht bei jeder Form der Verstopfung. Ratsam ist er bei einer sogenannten Entleerungsstörung, die sowohl Senioren als auch oftmals Frauen jeden Alters trifft.

Bei dieser Entleerungsstörung wird der Stuhlgang zwar als vorhanden wahrgenommen, doch er kann trotz Pressen nicht abgegeben werden. Selbst bei starker Druckausübung ändert sich hier kaum etwas. 

Gründe gibt es hierfür verschiedene. Bei Frauen kann die Gebärmutter schuld daran sein. Ist diese nach hinten gewölbt, legt sie sich wie ein Deckel auf den Darm und macht eine vollständige Entleerung kaum möglich. Ähnlich wirkt eine Beckenbodensenkung bei älteren Menschen. Bei einer Beckenbodensenkung drücken die inneren Organe auf den Schließmuskel, sodass eine Entleerung schwer wird. 

In beiden Fällen können die Toilettenhocker helfen. Doch gerade bei Verstopfung gilt: Der Toilettenhocker ist nur ein Puzzleteil von vielen. So wichtig wie dieser sind ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und genügend Bewegung. Einläufe können bei starken Verstopfungen ebenso helfen wie Medikamente, die vom Arzt verabreicht werden. 

Auch wenn Sie noch nicht an Verstopfung leiden, aber mit ersten Schwierigkeiten zu kämpfen haben, kann es eine Hilfe sein, den Toilettenhocker zu verwenden. So lassen sich Folgeschäden wie Hämorriden vermeiden. Grundsätzlich sollten Sie alles dafür tun, um übermäßiges Pressen zu umgehen. Wenn Sie pressen, steigt der Blutdruck und das stellt wiederum ein Schlaganfallrisiko dar. 

Abschließendes Wort zu den Werbeversprechen

Icon Achtung


Die Hersteller der Toilettenhocker sind um große Versprechen nicht verwegen. Ihnen zufolge helfen Toilettenhocker dabei Darmkrebs vorzubeugen, akute Schübe von Colitis ulcerosa zu vermeiden und Darmentzündungen zu umgehen. Dies ist allerdings nach Expertenmeinung nicht der Fall. Lediglich bei der Entleerungsstörung ist eine Hilfe durch den Toilettenhocker möglich, wenn er in Verbund mit anderen Maßnahmen eingesetzt wird.